Gastkommentar im Bayernkurier


“Auf dem Altar der religiösen Infantilität – Meinungs- und Kunstfreiheit sind ein zentrales Verfassungsgut und die Säule der Freiheit!”

Die Wut gegen den Mohammed-Film wirft erneut die Frage auf, ob der Islam und der Westen kompatibel sind. Gehört der Islam zu Deutschland und zu Europa? Natürlich gehören die Menschen dieser Religionsgruppe zu uns, dennoch zeigen diese hysterischen Ausschreitungen und gewalttätigen Proteste gegen westliche Einrichtungen, dass wir auch ein Islam-Problem haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte erst kürzlich, dass die Meinungsfreiheit ein hohes Gut in Deutschland ist. Zugleich kann sich Frau Merkel „vorstellen“, dass durch eine öffentliche Aufführung die öffentliche Sicherheit in Deutschland gefährdet werden könnte, und dass es hierfür „gute Gründe“ gebe.

Müssen wir also damit rechnen, dass die empörten, beleidigten und radikalisierten Muslime zu Gewalt greifen? Und wenn dem so ist, wieso? Verträgt sich der Islam nicht mit der Demokratie? Kommt der Islam mit der Meinungsfreiheit nicht zurecht? Wieso müssen WIR auf religiöse Gefühle in der islamischen Welt Rücksicht nehmen, während WIR die permanente Verunglimpfung der katholischen Kirche und ihrer Gläubigen durchgehen lassen?

Ein Verbot kann ich zwar kurzfristig nachvollziehen, halte es aber auf lange Sicht für kontraproduktiv. Auch wenn der Mohammed-Film, ebenso wie einschlägig bekannte Karikaturen, womöglich aus Überheblichkeit und Einfältigkeit entstanden sind, so dürfen wir eines nicht vergessen: Meinungsfreiheit als auch Kunstfreiheit wurden in der Zeit des Nationalsozialismus stark eingeschränkt. Ich bezweifle, dass wir wirklich wieder in einen Zustand zurückverfallen wollen, in der eine deutsche Regierung diktieren darf, was Kunst- und Meinungsfreiheit bedeuten.

Sollen wir also die Grundpfeiler unserer westlichen Wertegemeinschaft, die Meinungs- und Kunstfreiheit, auf dem Altar der religiösen Infantilität opfern? NEIN – niemals wieder! Wir haben für ein Ende dieses Wahnsinns gekämpft. Heute ist die Zeit des Nationalsozialismus vorbei. Deshalb dürfen wir auf diese verfassungsmäßigen Rechte nicht aus Angst vor islamischen Gewaltexzessen verzichten. Sie gehören zu den Säulen unserer Freiheit und müssen geschützt werden.

Die Ignoranz dieser Verfassungsprinzipien würde einen weiteren Beweis dafür erbringen, dass die Aushöhlung unseres Rechtsstaates zu Gunsten religiöser Empfindlichkeiten unaufhaltsam voranschreitet. Die weitreichende Konsequenz solch eines Verbotes wären fundamentale Einschränkungen der Meinungsfreiheit. Wo beginnen und enden die Grenzen? Belegen wir in Zukunft religionskritische Kabarettisten sogar mit Auftrittsverboten?

Das Aufweichen unserer demokratischen Grundrechte bestätigt das Verhalten der Fundamentalisten, die sich selbst feiern und zu weiteren Gewalttaten ermutigt fühlen. Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel, bitte verkaufen Sie nicht unsere Werte zu Gunsten des radikalen Islamismus!

Erschienen am 28. September 2012 im Bayernkurier

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