Schweiz: Ein Ehrenmord und das skandalöse Gerichtsurteil

SweraAm 10. Mai 2010 greift der Pakistaner Scheragha R. (53) zu einem Beil und schlägt 19 Mal auf den Kopf seiner 16-jährigen Tochter Swera ein. Das Motiv: Sie wollte westlich leben. Nun hat das Schweizer Obergericht die ursprüngliche Haftstrafe wegen «schwerwiegend verminderte Schuldfähigkeit» auf 13,5 Jahre reduziert. Ein Skandal!

Am Tatabend entfacht erneut ein großer Streit bei Familie R., die in Zürich-Höngg wohnt. Die erst 16-jährige Tochter Swera beschließt das elterliche Haus zu verlassen, und zu ihrem 18-jährigen Freund zu ziehen. Der streng gläubige Vater kann das nicht dulden und attackiert seine Tochter hinterrücks, als sie ihre Sachen packt. Mindestens 19 Mal schlägt Scheragha R. auf das wehrlose Mädchen ein, bis sie innerhalb weniger Minuten den schweren Hieben erliegt. Dann ruft er die Polizei, gesteht die Tat und lässt sich widerstandslos festnehmen. Nachbarn sagen aus, dass der Pakistaner vorher seine Frau und die anderen Kinder wegschickt. Etwa 2 Stunden später stirbt Swera.

Der Grund: Swera schminkt sich, verweigert das Kopftuch, möchte sexy Kleidung tragen und hat einen Freund – einen Christen. Sweras Freund Louis sagt aus, dass ihre Mutter gegen die Beziehung war, weil er einem anderen Glauben angehört. Scheragha R. ist ein sehr strenger Mann, der auf traditionelle, islamische Werte pocht. Seinen Glauben zwingt er seinen Kinder auf und verlangt, dass sie nach denselben Prinzipien leben.

Nur knapp drei Wochen vor dem kaltblütigen Mord versucht der Vater Swera bereits einmal zu töten. Er zwingt sie in die vollgelaufene Badewanne zu steigen, um im Anschluss einen Föhn ins Wasser zu werfen, damit es nach einem Selbstmord aussieht. Sie kann sich von dem Mordversuch befreien und flieht am gleichen Tag (20. April) zu ihrem Freund Louis, bei dem sie fortan leben möchte.
Mit der Entscheidung am 10. Mai alleine nach Hause zu gehen, um ihre restlichen Sachen zu holen, begeht Swera einen folgenschweren Fehler – sie kommt nie wieder zurück.

Am 21. April 2010 wird Swera lieblos begraben. Bis auf drei Frauen sind die Anwesenden nur Männer – die engste Familie ist nicht dabei. Louis darf bei der Beerdigung nicht teilnehmen. Ein ägyptischer «Familienberater» ruft ihn zwei Tage vorher an und verbietet ihm dabei zu seien. Als Begründung habe der Mann «etwas von Ehre geschwafelt», sagt Louis.

Für den Staatsanwalt ist die Lage glasklar: «Er hat seine Tochter regelrecht beseitigt, weil sie sich nicht nach seinen archaischen Wertvorstellungen richten wollte.»

Das Bezirksgericht verurteilte Scheragha R. im April dieses Jahres zu einer Haftstrafe von 17 Jahren. Sein Verteidiger forderte hingegen lediglich eine Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren. Der Anwalt sprach von einer «Tat im Affekt». Scheragha R. habe unter großer psychischer und physischer Erschöpfung gelitten und sei ausgetickt, so der Verteidiger.

Am 26. November 2012 spricht das Obergericht den Vater erneut wegen Mordes schuldig. Allerdings reduzierte das Obergericht die Haftstrafe von 20 auf 13,5 Jahre. Der Grund: «Schwerwiegend verminderte Schuldfähigkeit».

Das Obergericht wiegelt einen Ehrenmord oder kulturelle Besonderheiten ab und begründet dies folgendermaßen: «Wer seit 25 Jahren in der Schweiz lebt, kann sich nicht mehr auf die kulturellen Eigenheiten seiner Heimat berufen.»

Diese Urteilsbegründung ist ein Skandal! Frei nach dem Motto «es kann nicht sein, was nicht sein darf» ist eine Banalisierung der Umstände. Wie können die Richter tatsächlich annehmen, dass die bloße Lebenszeit in einem Land, gleichzeitig die Veränderung der Lebensweise bewirke? Die kulturelle und religiöse Identität eines Menschen wird mit Sicherheit nicht durch den Aufenthalt in einem fremden Land automatisch überschrieben. Integration bedeutet mehr, als nur eine bürokratische Prämisse aufzustellen!

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