20-jährige Türkin überlebt Säureangriff

Schwefelsaeure auf Amazon - Serap CileliHilden (NRW): Am 29. Dezember 2012 öffnet die erst 20-jährige Reyhan A. nichts ahnend ihre Haustür als ihr ein vermummter Mann plötzlich eine Flüssigkeit ins Gesicht sprüht. Der Angreifer sagt kein Wort und flieht. Schlagartig spürt Reyhan ein Brennen im Gesicht und Körper und ruft den Notarzt. Der Befund: Die junge Frau wurde mit Schwefelsäure attackiert.

An diesem Samstagvormittag ist auch Reyhans Großmutter Sultan A. an der Tür und bekommt einige Spritzer der ätzenden Chemikalie ab. Sofort werden die beiden Frauen in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Duisburg gebracht, die auf Unfallopfer und Brandverletzte spezialisiert ist. Reyhan hat starke Verätzungen der Haut im Gesicht, ihr Leben ist aber nicht in Gefahr.

Noch am gleichen Tag nehmen die Ermittlungsbehörden ihren Ex-Freund Serhat K. fest, einen 22-jährigen Türken aus Langenfeld. Im Zuge der Vernehmung räumte dieser nach Polizeiangaben ein, eine weitere Person zur Tat angestiftet zu haben. Der 18-jährige mutmaßliche Täter, der vo Serhat K. angestiftet wurde, stellt sich am Sonntagnachmittag in Begleitung seines Rechtsanwaltes der Polizei in Düsseldorf.

Der 22-jährige Ex-Freund des Opfers ist der Polizei bereits bekannt. Der mutmaßliche Anstifter sei bereits dreimal innerhalb eines Jahres wegen Gewalt und der Androhung eines Säureanschlags gegen die Frau angezeigt worden. Dies führte dazu, dass gegen ihn ein Annäherungsverbot ausgesprochen wurde. Offenbar konnte Serhat K. die Trennung nicht akzeptieren und wollte Reyhan für die Schmach bestrafen.

Säureangriffe sind in Deutschland zwar selten, aber sie sind vor allem in Südasien (Pakistan, Indien, Bangladesch) und Ostafrika weit verbreitet. Die Taliban und andere Extremisten haben häufig bei kleinen «Vergehen» und der Schleierverweigerung zu Gewalttaten und Säureangriffen gegen Frauen aufgerufen. So attackieren die Taliban in Pakistan oft Mädchen und junge Frauen und spritzen ihnen Säure ins Gesicht, um sie von schulischer Bildung abzuhalten. Diese Abscheulichkeit soll der Abschreckung und Unterwerfung dienen. Auch in der Türkei, Irak und im Iran sind Säureangriffe eine gängige Bestrafungsmethode bei «unehrenhaften Vergehen».

Die häufigsten Motive eines Säureangriffs sind Familienstreitigkeiten, abgelehnte Heiratsanträge und die Zurückweisung sexueller Avancen. Die Opfer sind meist Frauen und leiden in schweren Fällen ein Leben lang. Sie erleiden starke Verbrennungen, unerträgliche Schmerzen und entstellte Gesichter.

In Deutschland ist die Beschaffung von Säure schwer zu kontrollieren und leider leicht zu bewerkstelligen. Ein Liter Schwefelsäure ist in vielen Apotheken oft für weniger als 10 Euro erhältlich. Säure mit geringerer Konzentration ist in jedem Baumarkt und jeder Drogerie verfügbar und genügt, um die Opfer lebensgefährlich zu verletzen. Auch im Internet ist die gefährliche Chemikalie leicht zu beschaffen (siehe Titelbild).

Der Wunsch der Angreifer ist es oft, ihre meist weiblichen Opfer für immer zu «brandmarken», und ihre angeblich begangene «Schande» physisch und psychisch zu manifestieren.

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