»Ziel ist es, Menschen zum Salafismus zu bringen«

Salafismus in DeutschlandAm 17. März diskutierte Günther Jauch in seiner Sendung über Salafisten in Deutschland. Zumindest war es so angekündigt. Über den Verlauf der Talkrunde ärgert sich Margot D., deren Tochter mit 16 Jahren in die Fänge der Salafisten geriert. Ihre Gedanken schrieb sie in einem Leserbrief nieder, die sie an die Redaktion von Günther Jauch schickte. Auch ich erhielt diesen Brief, der zum Nachdenken anregt.

Leserbrief von Margot D. an die Redaktion von Günther Jauch.
Sendung vom 17. März 2013
Thema: “Im Namen Allahs – was tun gegen Deutschlands Gotteskrieger?”

Sehr geehrte Damen und Herren,

um welches Thema hätte es am Sonntag bei Günter Jauch gehen  sollen?   Ich meinte ausschließlich über Salafismus. Jedoch wurde das eigentlich so wichtige Thema in Klammern gesetzt und in Ihrer Sendung behandelt wie ein rohes Ei! Was steckt dahinter? Hatten Sie Angst um ihre Quote? Angst, als ausländerfeindlich zu gelten?

Meinen Glückwunsch, auch Ihre Sendung hat das Ziel erreicht, salafistische Propagandisten zu “Stars” aufzubauen. Wir, die Eltern von konvertierten Kindern, empfanden das Ganze jedoch als Verspottung unserer Tragödien.

Auch ich bin eine Mutter einer konvertierten Tochter. Meine Tochter Miriam (Name geändert) konvertierte im Alter von 16 Jahren zum Salafismus. Dort wurde ihr ein Vormund bestimmt, der ihr einen Mann ausgesucht hat.  Wir als ihre Eltern kamen dafür nicht in Frage, da wir nicht des “rechten Glaubens” sind. Die religiöse Eheschließung (Imam-Ehe) fand  in der salafistische Moschee in Bremen statt. Wir, die „Kuffar” (Ungläubige), wurden nicht eingeladen.

Wer ist der Schwiegersohn? Er war ein unserer Tochter völlig fremder Mann aus der Salafisten-Gemeinde, der einen langen Vollbart und weite Hosen trägt, der sich weigert mir (weil ich eine Frau bin) selbst bei der Begrüßung die Hand zu geben.

Durch Pierre Vogel geriet meine Tochter in diese Szene und war sofort voller Hass gegen ihre eigene Familie. Da meine Tochter damals noch minderjährig war, wandte ich mich an den Verfassungsschutz und Polizei, aber ohne Erfolg. Niemand konnte/wollte mir helfen.

„Frauen schützt euch im Diesseits und fürs Jenseits und tragt Hijab“

Miriam ist inzwischen zu diesem Mann gezogen, trägt mittlerweile Hijab und lässt nichts anderes mehr als ihre Religion zu. Sie tut das alles heimlich, scheint völlig verblendet, ist einfach nicht mehr die selbe. Es gibt kein Rankommen mehr.  Im Missionseifer der Salafisten möchte sie auch uns den Salafismus nahebringen.

Unsere Befürchtung ist, dass sie ihrem Mann blauäugig in ein anderes Land folgt und mögliche Folgen nicht sehen und wahrhaben will. Sie hat sich von uns und von ihren alten Kreisen/Freundinnen entfernt. Ostern, Weihnachten oder Silvester feiert sie nicht mehr mit, weil sie nicht sündigen möchte.

Das macht uns sehr wütend, zornig, traurig, aber wir sind ziemlich ratlos und besorgt. Wir kämpfen um unsere Tochter, wir wollen unsere alte Tochter wieder!

Sehr geehrte Redaktion, die Menschen sollten vor dem Salafismus gewarnt und aufgeklärt werden. Denn es werden wohl viele geben, die den gleichen Schritt wie unsere Tochter gemacht haben. Es ist für uns als Eltern sehr schwer zu verstehen, dass in Deutschland überhaupt so etwas möglich ist.

Ich weiß, was es heißt, wenn sich die eigenen Kinder radikalisieren, und wissen, was sie von diesen Verbrechern vorgelogen bekommen. Unsere Kinder lassen sich von ihrer gefährlichen Freundlichkeit einfangen. Ganz gleich, welchen sozialen Status die jungen Menschen haben, es kann alle treffen.

Der Begriff Salafismus war lange Zeit gar kein besonderes Thema, also unbekannt in der Öffentlichkeit. So konnten diese Radikalen unter dem Deckmantel des Islams ihre ” Wahre Religion” weiter verbreiten und vergrößern. Sie wollen die Gesellschaft in einen islamischen Gottesstaat verwandeln.

Bei konvertierten jungen Menschen und ihren Familien ist das Leid riesen groß. Sie befinden sich in einer fremden Welt der Zwiespalt. Dieser Zustand ist für uns kaum auszuhalten. Täglich wächst dieser Radikalismus mitten in Deutschland. Wie lange wollen die Verantwortlichen noch schlafen?

Ich war schon lange nicht mehr so enttäuscht, wie an diesem Abend

Die Sendung hat bei mir den Eindruck hinterlassen, dass bei Weitem noch nicht alle Verantwortlichen verstanden haben, wie gefährlich der Salafismus ist und welch ein rückwärtsgewandtes, entsetzlich schlechtes Gedankengut sich in Deutschland verbreitet.  Schleichend, aber stetig.

Religiöse Vereinigungen, die nach einem Rechtssystem, wie das zu Zeiten Mohammeds trachten, haben hier in Deutschland nichts verloren. Diese werden sich niemals wirklich zu unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung bekennen können.

Deshalb: ganz laut, oft und auffällig muss Aufklärung betrieben werden. Das ist meine Forderung, weil unzählige junge Mädchen und Jungen lassen sich vom Salafismus einfangen.

Von ihrer Sendung hatte ich mir einige konkretere Antworten auf meine Fragen gewünscht

Wie kann ich mich verhalten? Gibt es Einrichtungen, an die man sich als betroffene Familie wenden kann? Gibt es betroffene Eltern, mit denen man sich austauschen kann? Wie bekommt man sein Kind zurück?  Vor allem, wie kann man sein Kind vor Schlimmerem bewahren?

Ich möchten Sie bitten, diese Fragen in Ihren weiteren Sendungen zu berücksichtigen, damit endlich Lösungen für diese Probleme gefunden werden. Diese könnten vielen Familien, viel Leid ersparen und unzählige Kinder vor dem Absturz in eine radikale Szene bewahren.

Schade, ich bin von der Sendung  enttäuscht.

Margot  D.

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