Wir gedenken Morsal Obeidi

Morsal ObeidiHeute ist der fünfte Todestag von Morsal Obeidi aus Hamburg. Die damals erst 16-jährige Morsal Obeidi wagte es, sich gegen die religiös-patriarchalen Sexual- und Moralvorstellungen ihrer Familie zu stellen und musste dafür sterben.

Nach dem 15. Mai 2008 bis zum heutigen Tag sind 71 Frauen und Mädchen im Namen des Schutzes der „Familienehre“ erschossen, verbrannt, erwürgt, erstickt und erstochen worden.

Das jüngste “Ehrenmord”-Opfer ist gerade mal 15 Jahre alt gewesen. Büsra Özkan, aus Schweinfurt, wurde von ihrem Vater mit 68 Messerstichen getötet.

Die getötete Deutsch-Afghanin Morsal sollte einen Gedenkstein im Garten der Frauen auf dem Friedhof Ohlsdorf (Hamburg) bekommen. Mit dem Stein sollte nicht nur an das Schicksal von Morsal, sondern auch an andere „Ehrenmord“-Opfer gedacht werden. Bekanntermaßen haben „Ehrenmord“-Opfer in Deutschland nirgendwo einen offiziellen Ort des Gedenkens. Einen Termin für die Errichtung des Gedenksteins für die getötete 16-jährige Morsal Obeidi gibt es bis heute nicht. Auch unser Gedenksteinwunsch für das 18-jährige Mordopfer Arzu Özmen wird dem Anschein nach unrealisierbar bleiben.

Die Kampfansage „gegen Gewalt an Frauen“ nur mit „ritualisierten Gedenken“ an internationalen Frauentagen und Lippenbekenntnissen reicht nicht aus.

Von dieser bequemen Routine müssen wir uns verabschieden und gegen jede Form von Gewalt an Frauen eine kompromisslose Haltung einnehmen.

Gewalt gegen Frauen, Zwangsverheiratungen oder Frauenmorde mögen zwar allgegenwärtig sein, aber sie sind nicht unvermeidbar. Wir können ihr ein Ende setzen. Aber dazu müssen wir den Mut aufbringen, den Mächtigen entgegenzutreten und Veränderungen zu fordern. Wir müssen bereit sein, religiöse, soziale und kulturelle Einstellungen zu bekämpfen, die Frauen diskriminieren, unterdrücken und misshandeln. Und wir dürfen nicht ruhen, bis die Gewalt an Frauen abgeschafft ist.

Wir müssen darüber diskutieren, wie wir den Frauen Möglichkeiten schaffen, sich von dem Druck zu befreien und die Freiheit der selbstbestimmten Entscheidung wahrnehmen zu können.

Denn Frauenrechte sind Menschenrechte – ein hohes Gut, das nicht nur ich schätze, sondern das auch von allen Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes verteidigt wird und werden soll. Unsere uneingeschränkte Solidarität gehört nämlich den Opfern – unsere Verachtung den feigen Tätern.

Fordern wir auch die “Gerechten” unserer Gesellschaft auf, aufzustehen und gegen dieses Unrecht aufzuschreien, um diese Entwicklung zu stoppen.

Fangen wir damit an, uns dafür einsetzen, dass eine zentrale Gedenkstätte in Deutschland errichtet wird, die allen Opfern von „Ehrverbrechen“ gewidmet ist.

Wir werden Morsal, Arzu, Hatun und die vielen weiteren Namen niemals vergessen!

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