Ehrenmorde sind in Jordanien gesellschaftlich anerkannt

Ehrenmorde sind in Jordanien gesellschaftlich anerkannt Forscher der Universität Cambridge haben in einer Studie herausgefunden, dass ein beträchtlicher Teil der Jugendlichen in Jordanien Ehrenmorde für legitim halten. Mehr als ein Drittel sind der Auffassung, dass Morde im Namen der Ehre ein vertretbares Instrument zur Reinigung von Schande und Ehrlosigkeit sind.

Das Institut für Kriminologie an der Cambridge University hat festgestellt, dass rund die Hälfte der befragten Jungen und etwa 20 Prozent der Mädchen in der Hauptstadt Amman glauben, dass die Tötung einer Tochter, Schwester oder Ehefrau gerechtfertigt ist, wenn sie die Familie „beschämen“ oder „entehren“.

Das Institut hat etwa 850 Schüler und Schülerinnen befragt. Im Ergebnis würden die Herwachsenden, die Ehrenmorde legitimieren, eher aus Milieus mit niedrigem Bildungsniveau stammen.

Interessant sei, betont die Forschungsgruppe, dass die Jugendlichen diese verstörende Einstellung nicht mit ihrem religiösen Glauben verbinden.

Wichtige Faktoren, die sich hinter diesen Verbrechen verbergen, seien eine patriarchalische und traditionelle Weltanschauung, die auf der weiblichen Tugend basiert und eine generelle Überzeugung, dass Gewalt gegen Frauen moralisch vertretbar sei.

Im Rahmen der Studie ist auch eine Minderheit von Mädchen aufgefallen, die gut ausgebildet und sogar religionslos sind, die Ehrenmorde moralisch richtig halten. Diese Erkenntnis ließe die Schlussfolgerung zu, dass diese „Tradition“ bei einem großen Teil der Gesellschaft auf Unterstützung trifft, so die Studienleiter.

Insgesamt 33,4 Prozent der Befragten stimmten zu, dass Ehrenmorde gesellschaftlich notwendig und moralisch legitim seien.

Die jungen Männer rechtfertigten einen Ehrenmord doppelt so häufig (43,1 Prozent) in den fiktiven Situationen im Fragebogen wie die Mädchen (21,1 Prozent).

61 Prozent der Jugendlichen mit einem niedrigen Bildungsniveau haben eine positive Haltung gegenüber Ehrenmorden, wohingegen es bei Jugendlichen, bei denen mindestens ein Familienmitglied eine Hochschule besucht hat, nur 21,1 Prozent sind.

In Jordanien steht die Todesstrafe auf Mord. In Fällen von Mord im Namen der Ehre können die Gerichte das Strafmaß allerdings senken, vor allem wenn die Familie des Opfers um Nachsicht bittet. Offiziellen Zahlen zufolge sterben in Jordanien durchschnittlich 15 bis 20 Frauen pro Jahr für die Ehre. Dunkelziffer unbekannt.

Share