Moslem als Landtagskandidat der Republikaner?

Moslem als Landtagskandidat der RepublikanerAm 15. September 2013, also eine Woche vor den Bundestagswahlen, entscheidet Bayern über die Zusammensetzung des 17. Bayerischen Landtages. Im ganz Bundesland treten 10 Parteien zu der Wahl an – unter ihnen auch die Republikaner (REP). Für Verwirrung sorgt allerdings ein Name auf der Liste der REP: Abdul-Latife Khalid. Wie passt das zusammen? UPDATE: Die Republikaner haben zu dem Fall Stellung genommen.

Die im Jahr 1983 von ehemaligen CSU-Mitgliedern gegründeten Republikaner standen 15 Jahre lang auf der Beobachtungsliste des Verfassungsschutzes. Im Jahr 2005 wurden sie offiziell nicht mehr als »rechtsextrem« eingestuft und kamen 2007 von der schwarzen Liste des Verfassungsschutzes. Nur noch einzelne Mitglieder stehen unter Beobachtung, weil sie rechtsextremistische Ziele verfolgen oder unterstützen sollen.

In ihrem Selbstverständnis treten die Republikaner als rechtskonservative Partei bzw. demokratische Rechte auf, die sich von rechtsextremen und offen antisemitischen Positionen distanziert.

Ähnlich wie in vielen Kleinparteien ist ihr politisches Schaffen auf das Inland begrenzt und so nehmen die Innen- und Migrationspolitik bei den Republikanern eine gewichtige Rolle ein. Unter anderem plädieren die Republikaner für

– die sofortige Abschiebung von Wirtschaftsflüchtlingen
– den Bauverbot von Minaretten
– ein »Menschenrecht auf Heimat«
– einen Kampf GEGEN kulturelle Überfremdung und Masseneinwanderung
– die Bewahrung der deutschen Heimat
– keine multikulturelle Gesellschaft
– keinen Vielvölkerstaat
– den Vorrang der christlich-abendländischen Kultur
– die Pflege deutschen Brauchtums
– die Abschaffung von multikulturellen oder interkulturellen Projekten

Im ihrem Parteiprogramm heißt es im Kapitel »Ausländer«: »In Deutschland ist die Grenze der Belastbarkeit überschritten. […] Die Aufnahmefähigkeit für Ausländer aus fremden Kulturkreisen ist erschöpft, teilweise bereits überschritten […].«

Vor diesem Hintergrund wirft eine merkwürdige Kandidatenaufstellung der Republikaner viele Fragen auf. Auf den offiziellen Briefwahldokumenten zu den 17. Bayerischen Landtagswahlen taucht sowohl auf dem Stimmzettel für die Erststimme als auch für die Zweitstimme eine Person mit dem offenkundig ausländischen und muslimischen Namen Abdul-Latife Khalid auf. Auch auf den Plattformen abgeordnetenwatch.de und dem Wikipedia-Artikel für den Stimmkreis München-Schwabing wird der Name geführt.

Wenn man den Namen Abdul-Latife Khalid in diversen Suchmaschinen eingibt, findet man so gut wie keine Treffer. Es ist, als würde diese Person gar nicht existieren. Auch auf der Webseite der Republikaner findet man keine solche Person. Laut dem Internetauftritt der REP ist Martin Huber der Spitzenkandidat für den Wahlkreis, aber keine Spur von einem Herrn Khalid. Die einzigen Suchtreffer (mit ähnlichen Namen) sind zum einem Abdul Latif Khalid Cheema , ein islamischer Gelehrter und Politiker aus Pakistan und Abu Khalid Abdul-Latif, der zu 18 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er gemeinsam mit einem Komplizen einen Anschlag auf ein Rekrutierungsbüro der US-Armee in Seattle geplant hatte.

Noch seltsamer, ja gerade zu makaber wirkt der angegebene Beruf des »Geister-Kandidaten« der REP: Er ist angeblich ein Lagerist aus Dachau. Sofort springt einem die geschmacklose Assoziation mit dem Konzentrationslager Dachau in den Sinn, wo über 40.000 Menschen einen grausamen Tod fanden.

Was ist geschehen? Wie kommt dieser Name auf die Liste offizieller Dokumente? Wer ist dieser ominöse Abdul-Latife Khalid und wer ist dafür verantwortlich? Soll das ein schlechter Scherz sein?

Möchten die Republikaner mit einem perversen Scherz auf sich aufmerksam machen? Sollen die Behörden und ihr fahrlässiger Umgang mit Daten vorgeführt werden? Oder handelt es sich gar um einen üblen Spaß eines Behördenmitarbeiters? Warum ist das niemandem aufgefallen?

Ich möchte weder die Republikaner noch die Behörden beschuldigen, denn zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind zu viele Fragen offen und es ist unklar, wer der Verantwortliche ist. Aber Fakt ist, dass Abdul-Latife Khalid wohl kaum existiert und im Kontext betrachtet eine völlige Verfehlung darstellt, die sofort korrigiert werden muss.

UPDATE:

Die Republikaner veröffentlichten nun ein Wahlplakat mit Herrn Khalid und bestätigten die Ernsthaftigkeit. Gemäß einem Facebook-Eintrag der REP sei Herr Khalid ein “Paradebeispiel” für einen integrierten Immigranten, der sich “vollständig assimiliert” habe. Die Verantwortlichen möchten mit dieser Aktion klarstellen, dass sie “keine grundsätzliche Ablehnung von Ausländern” befürworten, wenn sich diese vollständig in “das System, die Kultur und Tradition” integrieren. Der Parteibasis scheint diese Entscheidung nicht zu schmecken, da sich einige Anhänger und Sympathisanten nun von den Republikanern distanziert haben.

Herr Dennis Knake ist dem Fall näher nachgegangen und konnte weitere Informationen nachtragen.

Abdul-Latife-Khalid

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