Der weibliche Körper ist (r)eine Dekoration

Frauen sind DekoUmstrittene Aussagen zum weiblichen Körper: Die Ansichten eines hochrangigen Mitglieds des türkischen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten (Diyanet) sorgen derzeit für viel Gesprächsstoff. Prof. Dr. Halil İbrahim Karslı, Mitglied im höchsten Entscheidungs- und Beratungsgremium der Diyanet, erklärte, dass der Koran die Verschleierung der Frau befehle – zu ihrem eigenen Schutz. Doch vor wem oder was?

Der Körper einer Frau sei eine Dekoration (Zierde). Aus diesem Grund müsse dieses »wertvolle Objekt« geschützt werden, so Prof. Karslı. Natürlich habe er nichts gegen die physische Attraktivität von Frauen im gesellschaftlichen Leben und betonte, dass Frauen  selbstverständlich ihre Reize ihren Ehemännern gegenüber entblößen dürfen.

Dennoch warnt das Diyanet-Mitglied mit erhobenem Zeigefinger: »Im Paradies beraubte der Teufel den Menschen (Adam und Eva) ihrer Kleidung und verführte sie zur Preisgabe ihrer intimen Körperstellen. Bis zum Jüngsten Tag wird Satan keine Ruhe geben und alles in seiner Macht stehende unternehmen, bis er die Intimsphäre eines jeden Menschen geschändet hat.«

Die Worte des Herrn Karslı legen die grundlegende Geisteshaltung einer patriarchalischen Gesellschaft offen:

Auf dem ersten Blick scheint es, als würde die Frau auf ein Podest gestellt. Ein unantastbarer Schatz, so wertvoll und rein, dass er behütet werden müsse. Doch vor wem oder was? Herr Karslı sprach vom Teufel, der die Menschen verführen wolle. Ist es womöglich das schwache männliche Geschlecht, vor dem die Frauenwelt beschützt werden muss? Ist es Herrn Karslı und seinen Geschlechtsgenossen nicht möglich, ihre Lust zu kontrollieren? Hat der Gedanke der Verhüllung vielleicht einen präventiven Charakter zum Schutz der Frau, damit niemand zu Schaden kommt? Fast könnte man der Idee erlegen, Herr Karslı ist ein Aktivist für das weibliche Wohlergehen. Er meint es doch nur gut! Oder?

In Wahrheit offenbart dieses Weltbild die Reduzierung der Frau auf ein Objekt. Sie ist eine Zierde, Dekoration, Schmuck, Staffage und die Garnierung für die männliche Fantasie. Sie bleibt im sicheren Heim, verhüllt sich und gibt sich bei Bedarf ihrem Mann sexuell hin. Praktisch, günstig und gut.

Allerdings sollte man die Folgen solch einer unterdrückten Sexualität nicht unterschätzen. Die gestaute Lebenslust mündet nicht selten in Bitterkeit und Frustration und ebnet den Weg für eine nach außen und auch gegen sich selbst gerichtete Aggression.

Vielleicht sollte die gesamte Belegschaft der Diyanet eine Gruppentherapie bei einem Sexualtherapeuten aufsuchen. Danach sehen sie Welt möglicherweise etwas entspannter.

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