Zwangsheirat: Im Kampf für die Freiheit

Neue Westfälische - Serap CileliNeue Westfälische: Es ist ein kalter, windiger Januartag im Jahr 2012, als der Fund einer Leiche auf einem Golfplatz in Schleswig-Holstein bestätigt, was viele längst befürchtet haben: Die 18-jährige Jesidin Arzu Özmen aus Detmold, nach der die Polizei bereits seit Wochen sucht, ist tot. Zwei Kopfschüsse haben das Leben der jungen Frau beendet. Wochenlang war ihr Gesicht vorher auf den Titelseiten der Zeitungen und in den Fernsehnachrichten zu sehen gewesen.

Von nun an erscheint in regelmäßigen Abständen das Gesicht einer anderen Frau in den Medien. Sie ruft zu einem Trauermarsch für Arzu auf, bei dem 500 Menschen durch Detmold ziehen. Sie veröffentlicht ein Youtube-Video von der Beerdigung der Jesidin in der Türkei, um zu verhindern, dass sie anonym beigesetzt wird. Sie reiht sich ein in die Menschenmenge, die zum Prozessauftakt zu einer Mahnwache vor dem Landgericht Detmold zusammenkommt. Das Gesicht gehört Serap Çileli, und es taucht seit Jahren immer dann auf, wenn es darum geht, auf die Rechte muslimischer Frauen aufmerksam zu machen. Sie ist Gründerin und erste Vorsitzende des Vereins Peri, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, jenen eine Stimme zu geben, die von ihren Familien im Namen der Ehre gewaltsam zum Schweigen gebracht worden sind – und für jene zu kämpfen, für die es noch nicht zu spät ist.

Die Frau, die an diesem regnerischen Samstag in einem Café in Münster einen Latte macchiato bestellt, hat allerdings auf den ersten Blick so gar nichts Kämpferisches an sich. Serap Çileli ist klein, etwas rundlich und spricht mit sehr leiser Stimme in einem exotischen Dialekt aus hessischem Deutsch und türkischem Einschlag. Diese Färbung und die dunklen Augen sind alles, woran man ihre türkische Abstammung erkennen kann, die eigentlich dunklen Haare sind blond gefärbt. Çilelis Gesicht ist rund und wirkt ganz weich, und unwillkürlich fragt man sich, wie eine so zurückhaltende, fast scheue Person es schafft, das permanente Kreuzfeuer auszuhalten, in dem sie seit Jahren steht.

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