Burkini: die absurde Sexualisierung des Schwimmunterrichts

BurkiniDer Schwimmunterricht in einem sogenannten »Burkini« ist für muslimische Mädchen zumutbar, urteilte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Für die 13-jährige Klägerin ist dieses Urteil aber unzumutbar, denn solch ein Badeoutfit könne zur Ausgrenzung führen.

Für viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland gehört der Schwimmunterricht zum normalen Programm auf dem Sportlehrplan. Einmal die Woche geht es in ein Hallen- oder Freibad und dann wird das Seepferdchenabzeichen erschwommen. Für muslimische Mädchen erweist sich dieser Teil des schulischen Lehrplans als ein schwieriger Spagat zwischen religiöser Pflicht und gesellschaftlicher Teilhabe und Akzeptanz. Auf dem ersten Blick besticht die jüngste Entscheidung durch simplen Pragmatismus und erscheint als ein dienlicher Kompromiss. Doch den Preis dafür zahlen letztlich die betroffenen Mädchen.

Für die marokkanische Familie, die erst 2008 nach Deutschland kam, war die Teilnahme ihrer kleinen Tochter am gemischten Schwimmunterricht ein sündhafter Verstoß gegen die Vorschriften des Koran. Nackte männliche Oberkörper, hautenge Badeanzüge die jede Körperform betonen und die Gefahr eines Körperkontakts: Unvorstellbar für die Familie und so zog sie bis zum Bundesverwaltungsgericht. Doch die Richter entschieden, dass muslimische Schülerinnen keinen Anspruch auf Befreiung vom Schwimmunterricht haben, wenn sie die Möglichkeit haben, einen sogenannten Burkini zu tragen.

Das Urteil führe zur Ausgrenzung

Die marokkanische Familie empfindet dieses Urteil als Schmähung und Verletzungen ihrer Religionsfreiheit und Würde. In einem herkömmlichen Badeanzug könne sie keinesfalls ins Schwimmbad gehen. Auch dem Anblick leichtbekleideter Mitschüler dürfe sie sich nicht aussetzen. Das Tragen eines Burkini lehnt sie ab. Denn er würde sie stigmatisieren und letztlich zu ihrer Ausgrenzung führen. Dabei wolle sich die Familie doch integrieren. Davon zeigten sich die Richter aber nicht überzeugt, da das Mädchen in der Schule ein Kopftuch trage, für welches dann ja Ähnliches gelten müsste. Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) äußert sich besorgt in diesem Zusammenhang. Ein Ganzkörperbadeanzug könne zur Ausgrenzung führen und damit die Lust auf Schulbildung schmälern.

Der menschliche Körper ist etwas ganz natürliches

Offensichtlich wird hier eine harmlose Schulaktion sexualisiert und tabuisiert. Der junge Körper eines Kindes wird zum Sexualobjekt erklärt, den man bedecken muss, damit es zu keiner sündhaften Handlung kommt. Erneut wird die Reinheit, Unberührbarkeit und Jungfräulichkeit des Mädchens zum Heiligtum der Familie erhoben, dessen Verlust das Ansehen und die Ehre beschmutzen. Bei den Erwachsenen ist der Horizont auf die Sexualität allerdings oft stark verengt. Sie reduzieren die natürliche Neugier und die Sexualität auf sexuelle Handlungen und Lustbefriedigung. Dabei beinhaltet diese Entwicklung auch das Bewusstsein über die eigene Körperlichkeit und die geschlechtliche Identität. Ein völlig harmloser und wichtiger Vorgang, um mit sich selbst und seiner Umwelt in Harmonie zu leben.

»Mit Erdogan möchte ich nicht mal im gleichen Meer schwimmen«

Die Trennung von Männern und Frauen im Schwimmunterricht und allgemein in Schwimmbädern ist auch eine präferierte Option des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan. So fasst der türkische Journalist Yilmaz Özdil in der Hürriyet folgenden Beschluss: »Wenn ich eine Frau wäre, dann würde ich auch nicht mit Tayyip Erdogan in ein Becken steigen. Welche Frau würde schon freiwillig mit einem Mann in einem Becken schwimmen wollen, der behauptet, dass Frauen und Männer nicht gleichgestellt seien? Ich bevorzuge es mit Krokodilen zu schwimmen, das ist wesentlich sicherer. Daher befürworte ich die Trennung in Schwimmbädern, denn mit solch einem Mann möchte ich noch nicht einmal im gleichen Meer schwimmen.«

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