Israel: Hotline gegen arabisch-israelische Mischpaare

Hotline IsraelDie israelische Organisation »Lehava«, deren Hauptziel die Vermeidung von arabisch-israelischen Mischbeziehungen ist, hat kürzlich eine Hotline ins Leben gerufen, bei der man anonym solche Beziehungen denunzieren kann. Benzi Gupstein, Vorsitzender von »Lehava«, betonte in diesem Zusammenhang, dass die Ursache nicht rassistischer, sondern religiöser Natur sei.

»Lehava« ist das hebräische Akronym für »Assimilationsverhinderung im Heiligen Land« und wurde 2009 gegründet. Sie gilt als eine Organisation des rechten Spektrums und fiel erstmals 2010 im Zusammenhang mit einem offenen Brief an das israelische Supermodel Bar Refaeli auf. Refaeli führte derzeit eine Beziehung mit dem römisch-katholischen Schauspieler Leonardo DiCaprio und wurde von »Lehava« dazu aufgefordert, diese Beziehung zu beenden.  Der als rechtsextrem geltende israelische Politiker und »Lehava«-Mitglied Baruch Marzel äußerte sich in dieser Angelegenheit folgendermaßen: »Jemand Berühmtes wie Bar Refaeli sollte sich schämen, das Judentum auf diese Weise zu verraten.«

Nach der Auffassung von »Lehava« würden sich arabische Männer zunehmend als Juden ausgeben, um im Anschluss jüdische Frauen zu verführen und zu belästigen.  Sobald die jungen Frauen in die Fänge der arabischstämmigen Männer geraten, wären sie körperlichen Misshandlungen und Demütigungen ausgesetzt.   Daher würde es in ganz Israel ein großes Problem mit Mischbeziehungen geben, die den Erhalt des Judentums gefährden.

Offiziell verbietet Israel rassistische Diskriminierung

Auch wenn ein besonderer Fokus auf arabische Männer ausgelegt ist, so richten sich die Aktivitäten von »Lehava« auch gegen alle anderen Religionsgruppen.

Das israelische Strafrecht verbietet jedoch nach § 144A jegliche Verfolgung, Demütigung, Erniedrigung und Feindseligkeiten gegen die Öffentlichkeit oder gegen Teile der Bevölkerung aufgrund ihrer Hautfarbe, Rasse, Zeugehörigkeit oder ethnischen Herkunft.

Dennoch kann »Lehava« weiterhin die zahlreichen Kampagnen gegen Mischehen ungestört fortführen. Die Einrichtung »Institute for Middle East Understanding«, eine Nichtregierungs- organisation von palästinensischen Amerikanern, kritisiert die Passivität der israelischen Regierung und begründet dies mit vermeintlich engen Verflechtungen zwischen Staatsvertretern und Wortführern der »Lehava«-Gruppe.

In einem Bericht des US-Außenministeriums zur Lage der Menschenrechte in Israel heißt  es u.a.: »Die Regierung hat wenig getan, um die institutionelle, rechtliche und gesellschaftliche Diskriminierung von arabischen Bürgern des Landes zu verringern.«

Für Benzi Gupstein, Vorsitzender von »Lehava«, ist es ein großes Anliegen, dass die Öffentlichkeit ihre Absichten genau versteht»Es ist wichtig zu erklären, dass das Problem religiöser, nicht rassistischer Natur ist. Wenn mein Sohn eine arabische Frau heiraten wollte, die zum jüdischen Glauben konvertiert, so hätte ich kein Problem damit. Meine Sorge gilt der Assimilation, die durch dieses Phänomen [Mischbeziehungen, Anm. der Autorin] verursacht wird.«

Es ist kein Rassismus, sondern der Überlebenskampf des Judentums

Dieser Standpunkt kann mit der Theorie des Ethnozentrismus verstanden werden, die vom Soziologen William Graham Sumner geprägt wurde. Demnach würden Menschen aus Fremdgruppen nach den Wertevorstellungen und Standards der eigenen Zugehörigkeit wahrgenommen und beurteilt werden. Der Begriff bezieht sich dabei weniger auf Rasse im engeren Sinne der Rassentheorie, sondern vielmehr auf die vermeintliche Überlegenheit des eigenen Lebensmittelpunkts, gemessen an Kultur, Lebensweise und Weltanschauung.

Seit der Einführung der Hotline Anfang September konnten bereits viele Frauen gerettet werden, so die Organisation.  Sobald man die »Hilfshotline« anwählt, werde der Anrufer mit den Worten »Schützt die Töchter Israels« begrüßt. Danach habe man die Auswahl zwischen verschiedenen Servicemenüs  wie: »Sie sind in Kontakt mit einem Goy [Nicht-Juden, Anm. der Autorin] und benötigen Hilfe?« oder »Sie kennen eine Frau, die sich mit einem Goy eingelassen hat, und wollen ihr helfen?«.

In ihrem Selbstverständnis ist die »Lehava« eine politische Organisation, deren Aktivitäten vorwiegend informativen und präventiven Charakter besitzen. Ihr Anliegen sei keine rassistische Verfolgung von Volksgruppen, sondern der Erhalt der jüdischen Werte, Traditionen und Lebensweisen.

Vorwurf der Verbindung zu umstrittenen Organisationen

Der »Lehava« (hebräisch für »Flamme«) werden enge Kontakte zu den extremistischen, jüdischen Organisationen »Kach« und »Kahane Chai« nachgesagt, die wegen terroristischen Aktivitäten verboten wurden. In den USA gelten beide Gruppen als Terrororganisationen.

Ähnlich umstritten ist die »Jewish Defense League«, die als »gefährlich« eingestuft wird. Ihr deutscher Ableger, die »Jüdische Verteidigungsliga«, distanziert sich jedoch von diesen Vorwürfen und versichert ihre Verfassungskonformität. Doch auch sie betrachtet Mischehen als »die größte Gefahr für das jüdische Überleben«  und verkündet ihre absolute Solidarität mit »Lehava« und ihrer Telefon-Kampagne.

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