Fethullah Gülen Netzwerk verleiht »Deutschen Dialogpreis«

Deutscher DialogpreisFethullah Gülen – ein Name der polarisiert. Die einen sind von seinen Lehren inspiriert und die anderen sehen in ihm ein islamistisches Schwergewicht mit verdeckten Absichten. Seine Anhänger propagieren mantraartig »Toleranz- und Friedensbotschaften«, doch hinter der Fassade ist die Gülen-Bewegung eine Glaubensgemeinschaft mit missionarischen Zielen. Zielen, die von Gülen nahestehenden und offen bekennenden Organisationen akribisch vorangetrieben werden. Solch eine Initiative ist der jüngst gegründete »Bund Deutscher Dialog Institutionen« (BDDI), der dieses Jahr erstmals den »Deutschen Dialogpreis« in Berlin verliehen hat.

»Die Vielfalt stellt ein Potential dar, das nur durch aktive Teilhabe und Einbindung zu einem friedlichen Zusammenleben führen kann.«, beschreibt der BDDI in seiner Präambel. Diese Position definiert ziemlich genau den Leitfaden der Hizmet-Bewegung, wie die Gülen-Bewegung auch genannt wird. Sie forcieren eine aktive Teilhabe und Einbindung, allerdings zugunsten einer tiefsitzenden, an der Oberfläche kaum spürbaren, konservativ-islamischen Ideologie. Um die Vision von einer türkisierten und islamischen Umma zu realisieren, sucht die Gülen-Bewegung bewusst die Nähe zu einflussreichen Menschen und Institutionen. Mit dieser Vernetzung soll ihm ein seriöser Anstrich angedeihen und zugleich die eigene Reichweite und das Eigenpotenzial verstärken. Einen ausführlichen Artikel zu Fethullah Gülen und seinem Netzwerk finden Sie auf meiner Webseite.

So war der Preisverleihungsabend am 21. November 2013 im Axica-Kongresszentrum (Berlin) voll »Glanz und Gloria«. Eine opulente Bühne erstrahlte im Angesicht einer hochkarätigen Gesellschaft aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Man kennt sich und zeigt sich gerne in diesem illustren Dunstkreis. Die archaisch-patriarchalische Gedankenwelt, die sich dahinter verbirgt und die Strippen zieht, ist in diesem Moment nicht wichtig.

Die 5 Preisträger der ersten Verleihung waren Prof. Karl-Josef Kuschel, Staatsministerin Cornelia Pieper, der Schriftsteller Feridun Zaimoglu, Meinhard Tenné und der Interkulturelle Rat in Deutschland e.V., vertreten durch Dr. Jürgen Micksch.

Durch den Abend leitete der Journalist Meinhard Schmidt-Degenhard, der auch die Sendung »Horizonte« moderiert. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Herr Schmidt-Degenhard das Forum für interkulturellen Dialog e.V. (FID e.V.) kennen sollte, welches federführend den BDDI dirigiert und eine der größten Lobbyorganisationen für Fethullah Gülen in Deutschland ist. Denn am 5. Oktober 2013 wurde die aufsehenerregende Reportage »Der lange Arm des Imam – Das Netzwerk des Fethullah Gülen« in seiner Sendung »Horizonte« ausgestrahlt.

Auch die Preisträgerin Cornelia Pieper (FDP), Staatsministerin beim Bundesminister des Auswärtigen, sieht keine Probleme bei ihrem öffentlichen Auftritt bei der Gülen-Bewegung. So fungierte sie bereits als Schirmherrin für die »deutsch-türkische Kulturolympiade«, hinter der auch die Gülen-Anhänger mit ihren fragwürdigen Ansichten zu Frauenrechten und dem Verhältnis von Staat und Islam stehen.

Prof. Karl-Josef Kuschel von der Universität Tübingen befindet sich in bester Gesellschaft, denn auch er bekennt offen seine Sympathien für Gülen. So sitzt der Theologe im Beirat der Konferenz »Die Gülen-Bewegung als Brücke zwischen den Kulturen«.

Doch nicht alle Preisträger sind derart unkritisch.  Dr. Jürgen Micksch vom Interkulturellen Rat in Deutschland e.V. freut sich zwar über die Auszeichnung, doch wundere er sich darüber, dass dieser Preis ausgerechnet von Gruppen vergeben wird, »die bei den Strukturen, die wir aufgebaut haben, nicht mitmachen«, erklärte er dem Hessischen Rundfunk. Er fügte hinzu, dass er die Preisverleihung nutzen werde, um kritische Fragen zu stellen. Was daraus wurde, ist nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass auch Herr Micksch in der Euphorie des Abends seine kritische Meinung vorübergehend auf Eis gelegt hat. Wer kann schon dem Charme einer applaudierenden und tosenden Großgesellschaft widerstehen, wenn das Belohnungszentrum des Gehirns angeregt wird.

Die grüne Politikerin Susanna Kahlefeld, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, konnte ihre Vorfreude auf die Veranstaltung kaum verbergen und kündigte bereits im Vorfeld auf ihrer Webseite an, an der Preisverleihung teilzunehmen. Ihr Parteikollege im Deutschen Bundestag, Omid Nouripour, der auch im Beirat der FID e.V. sitzt, äußerte sich ähnlich wie Dr. Micksch zaghaft kritisch: »Die Vorwürfe sind schwerwiegend. Ich bemühe mich seit längerem um ihre Aufklärung«, sagte er zu hr-online. Von den ausstehenden schriftlichen Antworten des Vereins mache er seine weitere Mitgliedschaft im Beirat abhängig.

Seltsam ist an der ganzen Sache, dass bis auf den Hessischen Rundfunk kein anderes Medium über diese Veranstaltung berichtet hat – ausgenommen das »Deutsch Türkische Journal«‎ und die Zeitung »Zaman«, die Medienvasallen von Gülen. Dieser Umstand ist recht verwunderlich, denn das Event fand mitten im Herzen Berlins statt, honoriert durch die Teilnahme vieler Politiker, Unternehmer und Intellektueller.

So oder so, der bittere Geschmack dieser inszenierten Scheinwelt wird eines Tages tragische Konsequenzen für Deutschland bereit halten.

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