Weihnachtsmann in Istanbul beschnitten und abgestochen!

weihnachtsmann-istanbulEine Gruppe von ausschließlich männlichen Mitgliedern der islamistisch-nationalistischen »Anadolu Genclik Dernegi« (Anatolischer Jugendverein) hat diese Woche auf dem Gelände der Universität von Istanbul gegen die Traditionen der Weihnachtsfeier und Silvester protestiert. Unter »Allahu Akbar«-Rufen wurde ein aufblasbarer Weihnachtsmann, mit einem christlichen Kreuz um den Hals und mit Bierdosen und Heroinspritzen zu seinen Füßen, auf dem Campus aufgestellt. Die Demonstration wurde von starken Sicherheitsvorkehrungen begleitet.

Die Organisation »Anadolu Genclik Dernegi« (AGD) fühlt sich dem früheren Ministerpräsidenten der Türkei und mittlerweile verstorbenen Necmettin Erbakan und seiner islamistischen Partei »Saadet Partisi« verbunden. Sie ist die politische Partei der Milli-Görüs-Bewegung, die in Deutschland wegen ihrer extremistischen und antisemitischen Ideologie vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

In ihrer Selbstdefinition verpflichtet sich die AGD den allgemeinen Menschenrechten und der Unteilbarkeit von Staat und Nation. Darüber hinaus wollen sie sich für den gesellschaftlichen Frieden einsetzen.

Eine Kostprobe dieser Ideale waren die Botschaften auf den Plakaten des studentischen Protestzuges: »Vom Weihnachtsfest gibt es keinen Segen« und »Weihnachten ist ein Schlag gegen den Islam«. Auch das Silvesterfest sei ein islamfeindlicher und westlicher Import, denn Muslime würden das Neujahr im ersten Monat des Muharram, also dem islamischen Kalender, begehen. Weihnachten und Silvesterfestlichkeiten hätten im Islam keinen Platz und würden auch niemals einen Wert oder Geltung finden.

Auswüchse wie Weihnachten, Christbäume und Weihnachtsgeschenke würden die Umma dazu verleiten, die religiöse Gemeinde zu verlassen, die eigene Kultur zu zerstören und eine Identitätskrise heraufbeschwören. Die heranwachsende Generation würde aufgrund solcher westlicher Werte die eigenen Ideale zerpflücken und auf Dauer die christlichen Werte und Überzeugungen annehmen.

Einer der Demo-Redner verwies in diesem Zusammenhang explizit auf die Koran-Sure 5, Vers 51:

»Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu Freunden! Sie sind untereinander Freunde (aber nicht mit euch). Wenn einer von euch sich ihnen anschließt, gehört er zu ihnen (und nicht mehr zu der Gemeinschaft der Gläubigen). Allah leitet das Volk der Frevler nicht recht.«

 

Immer wieder riefen die Protestteilnehmer im Chor: »Muslime, passt euch nicht an, tretet für euren Glauben ein.«

Im Anschluss der Kundgebung wurde der aufblasbare Weihnachtsmann symbolisch beschnitten und wenig später mit mehreren Messerstichen »getötet«.

Die Demonstranten widersprachen allen Kritikern, die ihnen Christenhass oder Feindseligkeiten vorwarfen, denn die Rechte aller Minderheiten würden unter dem Schutz aller Muslime und des muslimischen Staates stehen.

Der Aufmarsch lockte natürliche neugierige Zuschauer: Einer von ihnen hielt die Proteste für rechtens, da seiner Meinung nach das Weihnachtsfest lediglich als Ausrede für übertriebenen Alkoholkonsum gelte. Eine andere junge Zuschauerin billigte die Demo im Rahmen der Meinungsfreiheit, hielt die Parolen allerdings für fragwürdig, da in diesem Land eine christliche Minderheit lebe und man mit solchen Rufen ihre religiösen Werte verletze.

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