Kinderheirat: Gewalt, Vergewaltigung und Elend auf Lebenszeit

KinderheiratKulturelle und religiöse Traditionen, sowie fehlender Rechtsschutz treiben weltweit Millionen von jungen Mädchen in eine frühe Heirat. In diesen Ehen sind sie oft Gewalt, Armut und Misshandlungen ausgesetzt.

Unter Berufung auf den Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) veröffentlichte die Nichtregierungsorganisation »Equality Now« einen Bericht, aus dem hervorgeht, dass in der nächsten Dekade mehr als 140 Millionen junge Mädchen verheiratet werden, bevor sie überhaupt die Volljährigkeit erlangen.

Jedes Mal, wenn solch eine Kindsbraut verheiratet wird und ein Kind gebärt, setzt sich der Teufelskreis von Armut, mangelnde Gesundheit und Bildung, Gewalt und die Missachtung der Menschenrechte in den nachfolgenden Generationen fort, heißt es in der Studie.

Die Organisation »Equality Now« erklärt in ihrem 32-seitigen Bericht weiterhin, dass trotz all der Gesetze, die ein Mindestalter für eine Ehe vorschreiben, die sozialen Normen den Rechtsstaat übergehen und noch immer unter dem Anstrich einer Legitimität die Praxis der Kinderheirat gewähren.

So legitimieren Kinderehen Menschenrechtsverletzungen und den Missbrauch von schutzbedürftigen Mädchen unter dem Deckmantel der Kultur, Ehre, Tradition und Religion.

Häufig werden die Kindsbräute mit wesentlich älteren Männern verheiratet, um beispielsweise die Familienehre wieder herzustellen oder zu bewahren. Ein weiterer Grund sind oft finanzielle Aspekte, um z. B. Schulden zu begleichen oder einen monetären Gewinn zu erzielen. Manchmal sind die Familien der Mädchen auch »froh« ein Kind weniger versorgen zu müssen und verwenden die Mitgift für sich selbst. Dies kann aufgrund finanzieller Nöte zustande kommen, wenn die Familien arm sind oder aber auch von vornherein mit einer geschäftlichen Motivation verknüpft sein.

In manchen Ländern fördern die Eltern eine frühe Ehe aber auch, um ihre Töchter vor vorehelichen Geschlechtsverkehr zu schützen und damit »die Ehre des Clans«.

Zwei Fallbeispiele aus dem Bericht:

Mariam war erst 14 Jahre jung und kam in Frankreich zur Welt. Ihre Familie stammt aus Mali. Eines Tages flog die Familie mit Mariam und ihrer 16-jährigen Schwester zum ersten Mal in ihrem Leben nach Mali, ein Land, das sie nie kannten und die Sprache kaum beherrschten. Bei der Ankunft nahm der Vater die Reisepässe der Mädchen an sich und offenbarte wenig später seine wahren Absichten: Mariam sollte den Cousin ihres Vaters ehelichen und ihre 2 Jahre ältere Schwester war dem Imam aus dem Dorf verkauft worden. Dank eines glücklichen Zufalls, bei dem Mariam einen hilfsbereiten Polizisten kennenlernte, konnte sie der Ehehölle entkommen. Einzig über den Verbleib ihrer Schwester konnte sie keine Angaben mehr machen.

Der andere Fall spielte sich in Afghanistan ab. Der Vater eines 3-jährigen Kindes tötete einen anderen Mann. Um einer Gefängnisstrafe zu entgehen und eine mögliche Blutfehde zu beenden, bot der Vater sein Kind der Familie des Opfers als Entschädigung an. Das Mädchen war regelmäßiger Gewalt ausgesetzt und wurde wie eine Haushaltssklavin gehalten. Als sie ihr 10. Lebensjahr vollendete, wurde sie von einem männlichen Mitglied der Familie vergewaltigt und wenig später mit einem Jungen zwangsverheiratet. Der junge Mann ließ sich von ihr scheiden als sie zwölf Jahre alt war und wurde gezwungen den Mann zu heiraten, der sich Jahre zuvor schändete. Das junge Mädchen wurde alsbald von der Polizei von ihrem Martyrium befreit und ihr damaliger Ehemann musste eine 13-jährige Haftstrafe verbüßen.

Kinderehen führen oft dazu, dass die jungen Bräute isoliert sind und keine Chance auf Bildung oder sonstigen Dienstleistungen für Kinder haben. In den Fällen, bei denen die Mädchen zwar theoretisch die Möglichkeit haben sich zu wehren, fehlt es ihnen an Wissen um ihre Rechte, Bildung und an finanzieller Unterstützung. Sie sind meist für immer gefangen.

Die Rate an Kinderehen ist besonders im westafrikanischen Staat Niger sehr hoch, wo etwa 75 Prozent der Mädchen verheiratet werden, bevor sie 18 sind. Ein Drittel von ihnen wird sogar vor ihrem 15. Lebensjahr zwangsverheiratet.

In Bangladesch liegt die Heiratsquote von Kinderehen bei 66 Prozent, in der Zentralafrikanischen Republik und im Tschad sind es sogar 68 Prozent. In Indien werden etwa 47 Prozent der Mädchen verheiratet, bevor sie die Volljährigkeit erreichen.

Im Nahen Osten sind Saudi-Arabien und der Jemen die einzigen arabischen Länder, die kein Gesetz haben, die ein Mindestheiratsalter regeln. Nach einem Bericht von  »Human Rights Watch« aus dem Jahr 2011 werden rund 14 Prozent der Mädchen im Jemen vor ihrem 15. Lebensjahr  verheiratet. 54 Prozent müssen heiraten, bevor sie überhaupt 18 sind.

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