Zwangsheirat

Zwangsheirat in Deutschland
Bild: Terre des Femmes

»Zwangsheirat ist Vergewaltigung auf Lebensdauer.«
Wehre dich, lehne dich auf und nimm dir dein Recht!

Was ist eine Zwangsheirat?

Wir sprechen von Zwangsheirat, sobald mindest einer der beiden Ehepartner nicht freiwillig in die Ehe eingewilligt hat. Solch ein Fall liegt oft dann vor, wenn die Hochzeit fremdbestimmt, meistens von den Eltern oder nahen Verwandten, und mit Zwang gefordert wird. Nicht selten geschieht das unter Androhung oder Ausführung von physischer oder psychischer Gewalt. Der Wille der Ehepartner ist zweitrangig und wird übergangen.

Zusammenfassung:

  • Zwangsheirat ist sexuelle Nötigung
  • Zwangsheirat ist Menschenhandel
  • Zwangsheirat ist oft schwerer Kindesmissbrauch
  • Zwangsheirat kommt nicht selten durch Gewalt zustande
  • Und wer sich ihr verweigert, wird nicht selten aus der Familie ausgeschlossen und im Extremfall sogar ermordet.

Warum werden Frauen und/oder Männer zwangsverheiratet?

Die großen Grundlinien sind gesellschaftlicher, ökonomischer, traditionell-religiöser und bürokratischer Natur. Häufig spielt die Herkunft eine Rolle, da innerhalb der Dorfgemeinschaft geheiratet werden muss. Zwangsehen innerhalb der Familie, also zwischen Cousinen und Cousins ist bei vielen tradierten Stämmen Alltag. Ein anderer Grund ist die Jungfräulichkeit der Frau. Die sexuelle Unberührtheit bedeutet in diesen einfachen Geflechten die äußere Wahrung von Reinheit und Rechtschaffenheit. Die Reinheit der Frau ist physisch messbar an ihrer Jungfräulichkeit, weswegen sie ganz besonders die Ehre verkörpert und diese wahren muss. Nicht selten entscheiden sich die Eltern für eine frühe Ehe, um die Kinder vor den “Verführungen” der Außenwelt zu “schützen”. Eine große Rolle spielen ökonomische Gründe: Das sogenannte “Brautgeld” ist oft ein großer Anreiz für die Familien, ihre Töchter zu verheiraten. Die Sicherung und/oder Mehrung des Familienvermögens ist auch ein wichtiger Faktor. In Europa nimmt die Zwangsheirat im Zuge der Migrationsströme ebenfalls zu. Sogenannte “Importbräute” dienen oft der Einreise nach Deutschland bzw. der Sicherung des Aufenthaltsstatus.

Wie ist die rechtliche Lage?

Völkerrecht

Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
Artikel 16 Absatz 2                 

2. Eine Ehe darf nur bei freier und uneingeschränkter Willenseinigung der künftigen Ehegatten geschlossen werden.

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

Artikel 1 Grundgesetz

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Artikel 2 Grundgesetz

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Artikel 3 Grundgesetz

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)

Das Zivilrecht regelt die Eheschließung im Abschnitt “Bürgerliche Ehe” (§ 1297 ff).

Besonders hervorzuheben sind folgende Paragrafen:

§ 1310 Bürgerliches Gesetzbuch

(1) Die Ehe wird nur dadurch geschlossen, dass die Eheschließenden vor dem Standesbeamten erklären, die Ehe miteinander eingehen zu wollen.

§ 1311 Bürgerliches Gesetzbuch

Die Eheschließenden müssen die Erklärungen nach § 1310 Abs. 1 persönlich und bei gleichzeitiger Anwesenheit abgeben. Die Erklärungen können nicht unter einer Bedingung oder Zeitbestimmung abgegeben werden.

§ 1314 Bürgerliches Gesetzbuch

(2) Eine Ehe kann ferner aufgehoben werden, wenn

3. ein Ehegatte zur Eingehung der Ehe durch arglistige Täuschung über solche Umstände bestimmt worden ist, die ihn bei Kenntnis der Sachlage und bei richtiger Würdigung des Wesens der Ehe von der Eingehung der Ehe abgehalten hätten […].

4. ein Ehegatte zur Eingehung der Ehe widerrechtlich durch Drohung bestimmt worden ist.

Strafgesetzbuch

§ 237 Zwangsheirat

(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zur Eingehung der Ehe nötigt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.

(2) Ebenso wird bestraft, wer zur Begehung einer Tat nach Absatz 1 den Menschen durch Gewalt, Drohung mit einem empfindlichen Übel oder durch List in ein Gebiet außerhalb des räumlichen Geltungsbereiches dieses Gesetzes verbringt oder veranlasst, sich dorthin zu begeben, oder davon abhält, von dort zurückzukehren.

(3) Der Versuch ist strafbar.

(4) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Wer kann bei drohender Zwangsehe helfen?

Es gibt verschiede Möglichkeiten um Hilfe zu bekommen. Beispielsweise kann man sich an spezialisierte Hilfseinrichtungen wenden, die Beratungsmöglichkeiten und auch Unterkünfte anbieten. Es nichts schlimmes, um Hilfe zu bitten! Unter der Rubrik Hilfe? findet sich eine Auswahl an Hilfseinrichtungen.

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